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Kindliche Gefühle

Wut

Kennt ihr Gollum aus Herr der Ringe?
Ja?
Dann lade ich euch ein, weiterzulesen!
Nein? Es könnte trotzdem interessant sein für euch, vor allem, wenn ihr Kinder habt...

Es geht nämlich um die Wut.
Jetzt beschäftigt viele Eltern sicher auch der Umgang mit eigener oder kindlicher Wut. Wut ist eine kraftvolle Energie.

Gollum hatte leider nicht die Chance, seine Wut als Teil seiner Selbst anzunehmen und zu erleben und trotzdem geliebt zu werden.
Irgendwann wurde ihm gesagt, die Wut sei schlecht,
oder gehöre nicht zu ihm.
So musst Gollum seine Wut abspalten.

Für ihn gibt es nur ein entweder-oder: entweder wütend oder lieb sein. Entweder abgelehnt oder geliebt. Er hat vielleicht die Erfahrung gemacht, dass die Wut ihn beherrscht, und er nicht Herr ist über seine Wut. Man muss sich schlecht fühlen für die Wut. Sie macht uns schuldig. Also müssen wir sie leugnen.

Kinder müssen lernen, dass die Wut wichtig ist, um sich durchzusetzen. Darum dürfen wir ihnen ihre Wut auf keine Fall nehmen. Die Wut, als Lebenskraft, hilft uns, unsere Grenzen zu wahren und auszudrücken, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Ein Ziel von Erziehung muss also sein, zu lernen, dass Wut da sein darf, Teil ist von uns, und dass wir wütend sein können, ohne andere zu verletzen.

Das Kind erlebt das Suchen von Liebe und Zuwendung und dieses "Ich will es selbst tun!" oft als starken inneren - und für uns dann auch sichtbar äußeren - Konflikt.

Auch zu enge, symbiotische Beziehungen und das Streben nach Perfektion, Druck und Überreizung fühlen bei vielen Kindern zu Wut.

Die Wut des Kindes ist ein Teil vom Kind, es ist ein Ausdruck seines Erlebens. Wenn wir diese Wut "spielerisch" verkleinern und z. B. als "Wutmonster" benennen, und das Kind zum "Wutdoktor" schicken,
verhöhen wir das Kind.
Wir entfremden es von seinem eigenen inneren Erleben.
Wir erzeugen eine Doublebind Situation.
Wut ist weder etwas Krankhaftes,
noch etwas, das nicht zu einem gehören darf.

Wir nehmen dem Kind die Chance, seine Empfindung als Ausdruck seiner Persönlichkeit zu erleben. Wir rauben dem Kind seine Kraft und seinen Mut und seinen Willen zur Selbstbestimmung.

Das Kind muss lernen, Botschaften, auch die des eigenen Körpers und des eigenen Nervensystems, eindeutig zuzuordnen, klar zu benennen.
Das Kind lernt: die Wut, die gehört gar nicht zu mir, die ist eigentlich nicht da. Es bedeutet eine tiefe Unsicherheit und Orientierungslosigkeit für das Kind, wenn wir dem Kind auf diese Art und Weise die Lebenskraft stehlen. Die Wutanfälle werden schlimmer werden: vielleicht nicht mehr äußerlich, aber möglicherweise innerlich.

Wutanfall

Wutanfall aus Frustration.Wenn das Kind nicht bekommt, was es will.

Wenn etwas nicht so läuft, wie das Kind es eigentlich erwartet.

Wenn etwas Unvorhergesehenes passiert.

Wenn (dem Kind) etwas nicht gelingt.Ziel: Perfektion, es allen recht machen wollen, sich selbst unter Druck setzen, es besser machen wollen oder gleich gut, Angst vor dem Versagen.

Möglichkeiten: das Kind aus dem Wutausbruch „herausweinen“ lassen, sich beruhigen, herausschreien lassen, danach das Kind beruhigen, halten, trösten: „Ich verstehe, dass du wütend wirst, wenn dir etwas nicht gelingt.“ „Es ist ärgerlich, wenn sich die Schuhbänder nicht einfach binden lassen.“ „Es ist echt blöd, wenn so was passiert.“ Zugehörigkeitsgefühl verstärken.

Starke Gefühle gehören zum Leben. Wutausbrüche passieren eben. Fühl dich nicht alarmiert. Versuche, gelassen zu bleiben. Sei nicht zu beeindruckt. Wutausbrüche brauchen Publikum. Manchmal kommen Gefühle, die außer Kontrolle geraten, vor. Es gibt Wege, mit diesen Gefühlen eben auch so… umzugehen. Wenn es den Kindern gelingt, sich ablenken zu lassen (in Wut kann man sich auch hineinsteigern), bemerken wir das positiv. Auch wir Erwachsene müssen manchmal Dampf ablassen, bevor wir wieder „ansprechbar“ sind.

Der Wutanfall als Machtinstrument.





Manchmal wollen Kinder „Macht“ demonstrieren und bekommen einen Wutanfall. Weiteres Ziel: Aufmerksamkeit einfordern, Rache demonstrieren, Unfähigkeit zur Schau stellen.

Das Kind will, dass wir seine Forderungen erfüllen oder will es uns „heimzahlen“. Entmutigtes Kind.

Möglichkeiten: Verhalten ignorieren, nicht aber Kind!

Aufmerksamkeit dorthin lenken, was gelingt. Im Moment: auf eine andere Sache, die wichtig ist, ansteht, auf einen anderen „Teil“ des Großen Ganzen. Wenn der Wutausbrauch weiter andauert: „Du hast die Wahl: aufhören zu schreiben und hierbleiben oder in die Ruhezone/Stoppzone gehen und dich dort beruhigen. Du entscheidest.“

Bei Weiterschreien: Kind in die vereinbarte Ruhezone bringen. Entweder ohne Worte oder wir sagen kurz: „Du kannst jederzeit zurückkommen, wenn du dich beruhigst.“

Ziel: Selbstwirksamkeit möglich und bewusst machen. „Hilf mir, es selbst zu tun“ auch im Kleinen immer und jederzeit fördern und ermöglichen.

Zugehörigkeit stärken, indem Positives bestärkt wird, aber in „gesundem“ Maße, und nicht übertrieben belohnend!

Belohnen - Bestrafen

Erziehung bedeutet vor allem zuhören und wahrnehmen, einfühlsam beobachten – auch die eigenen Gefühle und Reaktionen bei kindlichem Fehlverhalten!

Belohnung – Bestrafung?

Belohnung bringt Kindern bei, für Kooperation Bezahlung zu erhalten/erwarten: „Wenn du, dann…“

Bestrafung ist ein Garant für eine Beziehung, die auf Angst basiert.

Drohungen drücken oft „Ohnmacht“ der Erziehenden aus.

Schreien bringt Kindern oft bei, nur aufzuhorchen, wenn „es brennt“.

Überreaktion verschlimmbessert Probleme meist, indem sie die Sache oder Bedeutung „vergrößert“ und dramatischer macht.

Herabsetzungen, Beschimpfungen, Beleidigungen, Beschuldigungen, Vergleiche demütigen Kinder.

Entzug von Privilegien ohne Bezug zu dem, was wirklich das Problem ist, erzeugen Spannungen und Druck: „Du hast den Waschraum unordentlich verlassen, deshalb darfst du mit den anderen jetzt nicht draußen spielen.“





Wenn wir Kinder belohnen oder bestrafen, zeigen wir ihnen, dass wir Erwachsene für ihr Verhalten die Verantwortung übernehmen.

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